H: Über Cantillon und den Populismus

Schon länger beschäftigt mich das Thema Geldpolitik mit allem, was dazu gehört. Hierzu gehören natürlich auch dementsprechend verschiedene Effekte. Einer dieser Effekte, der meiner Meinung nach viel zu wenig erwähnt und beachtet wird, ist der Cantillon-Effekt.

Richard Cantillon war ein Ökonom im 18. Jahrhundert, der sich besonders mit dem Kreislauf des Geldes auseinandersetzte.

Der sogenannten Cantillon-Effekt beschreibt, dass sich bei einer Ausweitung der Geldmenge das Geld nicht gleichmäßig verteilt und somit der resultierende Preisanstieg (= Inflation) nicht sofort gleichmäßig wirkt. Der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek hat diese erhöhte Geldmenge mit Honig verglichen, der, wenn man ihn in eine Tasse fließen lässt, sich zuerst in der Mitte verklumpt, bevor er sich langsam in der Tasse ausbreitet. Umgelegt auf die Geldmenge bedeutet dies, dass, wenn im heutigen Fall die Zentralbank beschließt, die Geldmenge zu erhöhen, zuerst diejenigen davon profitieren, die am nähesten an der Geldmenge sitzen, sprich: nahe Finanzzentren. Preise beginnen zu steigen (= Inflation), obwohl das Geld noch gar nicht bei dem Rest der Bevölkerung angekommen ist. Diejenigen, bei denen das Geld zuletzt ankommt, sind zumeist Niedrigverdiener. Sie müssen die bereits gestiegenen Preise trotzdem zahlen, obwohl sie noch nicht profitiert haben bzw. auch nicht im gleichen Maße davon profitieren werden. Die, die zuerst an das Geld gekommen sind, erwirtschaften Erträge, während das Geld der Niedrigverdiener langsam aber stetig entwertet wird.

Das Resultat ist eine Umverteilung von unten nach oben. Dass das unfair ist, ist klar.

Zentralbanken, die durch die Monopolisierung des Geldes die Ausweitung der Geldmenge steuern (bzw. zurzeit gern steuern würden, aber das Inflationsziel aufgrund diverser Probleme nicht erzielt wird), sind maßgeblich an dieser Umverteilung von unten nach oben beteiligt. Sogar John Maynard Keynes, der bekanntlich nicht gerade gegen staatliche Eingriffe war, hat diesen Cantillon-Effekt als valides Problem akzeptiert.

Doch wieso schreibe ich gerade über diesen Effekt? Worauf will ich hinaus?

Ich will darauf hinaus, dass dieses Phänomen seit Jahrzehnten wenn nicht sogar Jahrhunderten, von vielen linken Gruppierungen und Parteien komplett ignoriert wurde. Ständig werden mit populistischen Kampagnen höhere Steuern für Höherverdiener verlangt, Umverteilung von oben nach unten ist hier das Stichwort. Jedoch, Zentralbanken, die ein staatliches Geldmonopol halten, sind sogar als eine Forderung im “Manifest der Kommunistischen Partei” von Karl Marx für einen kommunistischen Staat niedergeschrieben ist. Sie ist eine urlinke Forderung, die sich im letzten und vorletzten Jahrhundert etabliert hat. Mittlerweile hinterfragt sie kaum jemand mehr und nimmt sie als gegeben hin.

Auch ohne Zentralbanken gäbe es Inflation, wenn auch nicht in diesem Ausmaß und somit wäre der Cantillon-Effekt bei weitem nicht so stark.

Was mich stört, ist, dass auf der einen Seite eine unglaubliche Umverteilung von nach oben aufgrund eines (und in den Grundzügen ist es das) kommunistischen Geldmonopols stattfindet, die als gegeben hingenommen wird bzw. sogar als bösen “Turbo”kapitalismus abgestempelt wird und auf der anderen Seite mit populistischen Forderungen höhere Steuern für “die da oben” verlangt werden. Da sich kaum jemand wirklich informiert, bevor er etwas verlangt, ist das Resultat, dass linke Gruppierungen als “sozial” und “immer auf der Seite der Guten” dargestellt werden, obwohl sie zum Großteil das Problem selbst ausgelöst haben und das Problem der regressiven Steuer nun mit einer progressiven auszugleichen versuchen. Natürlich ist der Cantillon-Effekt nicht die alleinige Ursache, aber schon ein wichtiger Faktor, der auf jeden Fall mehr Beachtung bekommen sollte.

Zusammenfassend komme ich – wie schon oft – darauf zurück, dass durch diesen Effekt Probleme entstehen, die man ohne sie in dem Ausmaß gar nicht hätte. Resultat sind populistische Forderungen, die natürlich viel Anklang in der Bevölkerung finden. Zuerst denken und informieren, dann verlangen lautet die Devise.

2 Gedanken zu “H: Über Cantillon und den Populismus

  1. Vorweg: Ich bin kein Wirtschaftsexperte und auch nicht vollständig Geschichtskundig.
    Meiner Ansicht nach ist es seeeeehhhr gewagt zu schreiben, dass linke Gruppierungen „zum Großteil das Problem selbst ausgelöst haben“. Es impliziert (zu mindest für mich), dass der Reichtum der Welt viel fairer verteilt wäre, wenn es keine linken Gruppen gäbe.
    Zugegeben, ich kann das nicht beweisen, aber das glaube ich einfach nicht. Wen dem doch so sei, dann bitte erkläre mir hier mehr darüber.

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  2. H:
    Es geht hier nicht darum, was wäre, „wenn es sie nicht geben würde“, sondern hauptsächlich darum, dass einfach ein gewisses Problem geringer ausfallen würde, wenn man nicht aufgrund des Populismus ein großen Problem ignoriert und alles auf den „bösen“ Markt schiebt. Keine Ideologie ist perfekt, jeder muss seine Nachteile eingestehen und auch der Markt ist definitiv nicht perfekt – nur genau hier seh ich ein großes Problem, dass einfach gewisse Teile unter den Teppich geschoben werden.

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